Kritik Bayreuth

Nordbayerischer Kurier Bayreuth

Virtuos ‑ fulminant ‑ perfekt

Das New Art Saxophone Quartet mit überragenden Leistungen im Zentrum Bayreuth.

Das Preisträgerkonzert des Deutschen Mu­sikrates welches vom 1991 in Basel ge­gründeten New Art Saxophone Quartet im Rahmen der Musica im Zentrum präsentiert wurde, stand unter dem Motto "Anglo Sax'', enthielt also Werke von englischen und amerikanischen Komponisten. Infor­mativ und sympa­thisch gab der Sopransaxofonist des Ensembles, Klaus Pfister, einige einführende Worte vor den jeweiligen Stücken und schuf so einen lockeren Rah­men für ein fulminantes Konzert. Die technische Perfektion des Zusammenspiels sowie die überragenden Leistungen der einzelnen Mitwirkenden ‑ neben Pfister traten René Straub, Altsaxofon, Philipp A. Stäudlin, Tenorsaxofon, und Erich Strehler am Baritonsaxofon in Erscheinung ‑ blieben den gesamten Abend über bestehen.

Mit einer Komposition aus dem Bereich der so genannten Minimal Music des Amerikaners Michael Nyman, einer Art Fanfare mit dem Titel "Aggressiv", eröffnete das Quartett sein Programm., Harte und kurz gespielte Akkordblöcke bilden dabei in ständiger Wiederkehr der Patterns ‑ den Hintergrund für eine Kantilene des Altsaxofons, womit ein effektvoller und schwungvoller Anfang gemacht war.

Ganz anders und in vieler Hinsicht intimer dann ein Werk des Engländers Matthew Locke, der als Lehrer von Henry Purcell bekannt ist und dessen ursprünglich für Gambenquartett komponierte erste Suite in der Bearbeitung für vier Saxofone keine Wünschen offen ließ. Fast streicherähnlich interpretierten die Musiker die hoch komplexen Harmoniefolgen der ruhigen Sätze, die die innovativen Seiten der englischen Kunstmusik des frühen Barock, wie man sie eben von Purcell hier bereits kennt, aufs Neue 'verdeutlichten.

Als Werk vor der Pause erklang eine weitere Suite in Form von sechs Stücken aus der Filmmusik zu "Mishima", komponiert von dem Amerikaner Philipp Glass, der als ‑einer der Väter der Minimal Music weltweite Berühmtheit erlangte. Die Wiederholung schlichter rhythmischer Verbindungen, ineinfache Harmonieschemata verpackt, die meist durch Dreiklangbrechungen die Fortentwicklung des Geschehens impulsieren, ist spätestens* nach dem zweiten Werk, welches man von Glass hört, durchschaubar und von da ab aus kompositionstechnischer Perspektive nur noch wenig ergiebig. Trotzdem oder gerade deshalb ist diese Musik für viele ein Faszinosum. Für den Rezensenten ist eher die Virtuosität beeindruckend, die der Musiker aufbringen muss, um die Partituren in Klänge umzusetzen. In diesem Sinn bestach das New Art Saxophone Quartet durch eine immense Dichte im Zusammenspiel und die glänzende Umsetzung der geforderten, zum Teil etüdenhaft anmutenden Passagen. Dadurch kamen auch die psychologischen Momente dieser Art von Musik zum Tragen, die, auf solch hohem Niveau vorgetragen, ihre suggestive Wirkung nicht verfehlt.

Ebenfalls mit minimalistischen Elementen arbeitete der 1943 geborene Engländer Gavin Bryars in seinem Stück "Alaric 1 or II", das die Inspiration einem Berg in Südfrankreich verdankt. Nach anfänglich sehr stimmungsvoll angelegten Spaltklängen verflacht die Komposition ein wenig durch die erwähnten Stilmittel, die aber insgesamt doch interessanter und vielschichtiger als bei Glass eingearbeitet wurden. .

Mit Samuel Barbers '"Adagio" aus dem Streichquartett Nr. 3 nahm sich das Ensemble erneut einer Bearbeitung an, in der die Homogenität der weichen Adagio‑Klänge bis hin zur großen Steigerung in der dramatischen Anlage der Komposition. mit großer Ausdruckskraft vermittelt wurde. Drei schwungvolle Songs von Georg Gershwin in hervorragenden Arrangements führten das Programm zu seinem offiziellen Ende, welches noch durch zwei Zugabe‑Tangos von Astor Piazolla, die sich das begeisterte Publikum erklatschte, erweitert wurde.

Von Wolfram Graf

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