| Kritik Friedrichshafen |
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Südkurier Grandiose Weltreise per Saxophon. Überraschende Premiere des "new art saxophone quartet" im GZH. Gershwin, Locke, Glass, Barber und Nyman hatte das Kulturamt angekündigt. Keine Saalangabe, keine Werkangabe So gehörten denn die Saxophon‑Enthusiasten, die den Saal im GZH nicht zur Gänze füllten, wohl eher zu den offenen, neugierigen Konzertbesuchern. Unter ihnen nicht wenige aus der Schweiz, der Heimat des Ensembles. Auf dem Programmblatt dann nichts von Gershwin, Locke, Glass, Barber. Dafür ein fünfter Mitwirkender: Florian Arbenz, Percussion. Als Erster und Einziger betritt er die Bühne, greift sich eine afrikanischeTrommel. Kurze, abgehackte Schläge hallen durch den Raum. Kein Rhythmus, vielmehr harte Forderung: Schaut her! Hört zu! Langsam entsteht klangliche Vielfalt, baut sich Struktur auf. Als endlich das Tom‑Tom fordernd zur Bewegung anirniert, betreten die Bläser die Bühne. Und eine fröhliche Musik aus den Townships des schwarzen Kontinents beginnt. Klaus Pfister tänzelt vor dem Notenständer ‑ vor und zurück, vor und zurück. Sopran und Alt jubilieren, Tenor und Bariton antworten ihnen. Bereits nach der ersten Nummer hat das Ensemble das Publikum für sich gewonnen. Eine Premiere im doppelten Sinn werde an diesem Abend veranstaltet. Das SaxophonQuartett trete erstmals mit dem neuen Programm "Songs & Dances" auf und mit einem Schlagzeuger. Weltmusik sei angesagt. Stücke, die ihre Wurzeln tief im Herzen der Völker haben. Weiter geht es mit Melodien aus einer mittelalterlichen italienischen Stadt. Schalmeien und Trombonen marschieren auf. Vagantenmusik. Danach ein Lamento di Tristano. Trauermusik. Pestgesang. Das Tempo kippt in den Tanzrhythmus. Unverschnörkelte Melodien schweben über dem Dauerton des Dudelsacks, Bordunmusik. Ähnlich geht es weiter mit vier Sätzen aus dem Schatz keltischbretonischen Weisen. Jigs and Reels, die ins Jazzige kippen, von Itchy Fingers oder der Kölner Saxophon Mafia stammen könnten. Der konzertant geschlagene Rhythmus bildet einen interessanten Kontrast, abseits der gewohnten Löffelschläger und Knochentrommler. Dahingetupfte Töne. Drei als Streichquartett geschriebene Miniaturen von Michael Nyman, dem 1944 geborenen britischen Komponisten des Neobarock und Minimalismus, eröffnen das zweite Set. Patterns aus drei Tönen klingen gegeneinander an, überlagern sich in Phasen. Dröhnender Bass signalisiert das Ende des Stücks. Ein neuer Klangteppich entsteht. Langsame Bewegungen tragen die Altmelodie. Dann wieder abgehackte Patterns, Unisonopassagen. Das Publikum ist verzückt. Hakirn Ludin, Komponist des Stücks "Blue Desert", entführt in die Welt seiner pakistanischen Heimat. Orient am Bodensee. Vier archaisch anmutende Nordland‑Stücke mit Themen aus Grönland, Finnland und Estland schließen sich an. Bilder von weißer Weite drängen sich auf. Melancholie. Dann Vogelstimmen. Springdrums erzeugen wunderliche Töne. Ginger Baker's Air Force schaut um die Ecke, winkt. Dahingehauchte Trommelwirbel. Bassmelodien. Pulsierende Ostinato. Riesenapplaus. Zu afrikanischen Klängen verlassen die Musiker den Saal. Trotz frenetischen Beifalls nur eine Zugabe: "Libertango" von Astor Piazzolla. Dieses Programm schreit nach Wiederholung, nach mehr Publikum, nach besserer Promotion. Roland Demmerle |
